Aus der Zeitung

Interessantes aus Kenia ohne direkten Bezug zu den Schulen. Dieser Bereich kann auch von Gästen gelesen werden!
claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Auch in den letzten Tagen gab es in Kenia durchschnittlich ca. 250 neuinfektionen pro Tag. Es spricht also wirklich einiges dafür, dass die Kurve zumindest deutlich abflacht. Ohne dass ich die Zahlen genau angesehen habe, scheint es mir, dass diese Abflachung hauptsächlich auf einen Rückgang der Zahlen in Nairobi zurückzuführen ist, auch wenn immer noch der größte Teil der Neuinfektionen aus Nairobi gemeldet wird. Insgesamt sind jetzt in Kenia 34.057 Infektionen festgestellt worden, 574 Patienten sind gestorben.
https://nation.africa/kenya/news/covid- ... ns-1928190

Die Beziehungen zwischen Kenia und seinem Nachbarland Tansania werden durch Covid-19 belastet. Tansania hat sich ja vor vielen Wochen als frei von Covid-19 eingestuft und seitdem keine Neuinfektionen gemeldet. In Kenia wiederum müssen Personen, die aus dem Ausland einreisen, im Normalfall in eine zweiwöchige Quarantäne. Die kenianische Regierung hat aber eine Ausnahmeliste von Ländern erstellt, deren Staatsangehörige auch ohne Quarantänepflicht einreisen dürfen. Obwohl Tansania sich selbst für coronafrei hält, steht das Land nicht auf dieser Ausnahmeliste. Das gefällt der tansanischen Regierung gar nicht. Als eine Art Vergeltungsmaßnahme verbietet Tansania mehreren kenianischen Fluggesellschaften die Landung auf tansanischen Flughäfen:
https://www.theeastafrican.co.ke/tea/ne ... ls-1926358

Ganz andere Meldung, die nichts oder zumindest nur wenig mit Corona zu tun hat: Die Supermarktkette Tuskys, in der auch wir bei unseren Besuchen regelmäßig eingekauft haben, hat große finanzielle Probleme und hat schon mehrere Filialen geschlossen. Aktuell gehört Tuskys Greenspan noch nicht dazu, aber wie wir von unseren kenianischen Freunden erfahren haben, sind die Regale dort auch recht leer.
https://www.standardmedia.co.ke/busines ... -in-a-week

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Die Infektionszahlen in Kenia sind weiter gesunken. Heute wurden erstmals seit vielen Wochen weniger als 100 Neuinfektionen gemeldet. Insbesondere in Nairobi sind die Zahlen sehr deutlich zurückgegangen:
https://nation.africa/kenya/news/record ... 03-1933582

Es gibt auch eine Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass der Peak schon im Juli erreicht wurde:
https://nation.africa/kenya/news/study- ... ly-1932550

Es gibt allerdings auch Nachrichten, die zur Vorsicht mahnen. So scheint die Verfolgung von Kontakten infizierter Personen nicht gut zu funktionieren:
https://nation.africa/kenya/news/covid- ... ng-1932122

Es gibt sogar (noch sehr vorläufige) Überlegungen, Schulen, die ein überzeugendes Konzept nachweisen können, ab November die Öffnung für die Abschlussklassen, also standard 8 und from 4 zu erlauben:
https://nation.africa/kenya/news/educat ... r--1932528

spheni
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von spheni »

Die Beziehungen zwischen Kenia und seinem Nachbarland Tansania werden durch Covid-19 belastet.
Ganz so einfach wie von Kenia dargestellt ist die Situation nicht, sie wird gerade nur durch die Corona-Pandemie verschlimmert. In beiden Ländern ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, und gerade beim Tourismus spielt sich ein Kleinkrieg ab, aus dem keines der Länder ausbrechen will oder kann. Beispiele gefällig?
Das eine Land fährt ins andere Land, verursacht dort nur Kosten aber trägt nichts zur Wirtschaft bei, das andere Land schließt dann die Grenze zwischen den beiden wichtigen Tourismusgebieten, das erste Land verbietet im Gegenzug, dann, dass Firmen aus dem zweiten Land Kunden am internationalen Flughafen abholen... Grenzverletzungen in Gebieten, in denen auf beiden Seiten der Grenze Nationalparks. Helikopter aus dem einen Land ins andere Land, dabei werden dem viele Tiere durch den Lärm vertrieben (damit fehlt der Anreiz für Touristen)... Fehlinformationen auf Tourismusseiten aus Kenia um Kunden abzugreifen...

Aus diesem Teufelskreis von Aktion, Reaktion, weitere Aktion, erneute Reaktion usw. solange, bis niemand mehr weiß, was überhaupt der Auslöser war, kommen beide Länder wohl nicht raus, solange es in beiden Ländern keine grundlegende Veränderungen bei der Regierung gibt. Das ist sehr schade, denn beide Länder könnten so schön zusammenarbeiten.
Im Herbst sind Wahlen in Tansania, es sieht nicht so aus, als ob es einen neuen Präsidenten geben wird... Und daher wird sich wohl auch am Verhältnis beider Länder leider nichts ändern.

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Die Infektionszahlen in Kenia scheinen weiter zurück zu gehen. Heute wurden nur 48 neue Infektionen gemeldet. Das ist vermutlich zum Teil ein Wochenendeffekt, aber auch an den vorherigen Tagen gab es recht niedrige Zahlen. Der Durchschnitt der letzten sieben Tage liegt bei 151 Neuerkrankungen.

https://nation.africa/kenya/news/record ... ya-1938764

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Die Zahl der Neuinfektionen ist noch etwas weiter zurückgegangen, heute wurden 130 neue Fälle gemeldet. Die Zahl der Todesfälle ist für Kenia immer noch leicht überdurchschnittlich, aber es ist ja normal, dass zwischen dem Peak der Neuerkrankungen und dem Peak bei den Todesfällen einige Wochen liegen. Im Tagesbericht https://nation.africa/kenya/news/covid- ... we-2328382 erklärt der Health Cabinet Secretary Mutahi Kagwe jetzt auch, dass Kenia dabei sei, die Kurve abzuflachen. Unter anderem hat er gesagt:

Health Cabinet Secretary Mutahi Kagwe said Kenya has in the last several days seen a positivity rate of below five percent.

Ich will gar nicht bestreiten, dass die "positivity rate" zurückgegangen ist, aber das mit den 5% finde ich nicht ganz so eindeutig, man sehe folgende Zahlen von der Twitterseite des Gesundheitsministeriums:

Datum, Zahl der Tests, positive Tests, positivity rate
23.09.2020 3874 130 3,36%
22.09.2020 1774 139 7,84%
21.09.2020 1644 98 5,96%
20.09.2020 2224 152 6,83%
19.09.2020 2868 105 3,66%
18.09.2020 2438 148 6,07%
17.09.2020 4188 183 4,37%

Ich sehe nur bei drei der sieben letzten Tage eine Rate unter 5%. Eventuell ist auch die über einen längeren Zeitraum gemittelte Rate gemeint. Dann wären es nach meiner Rechnung für die aufgelisteten sieben Tage 5,02% ;-)

Hintergrund der Diskussion:
The World Health Organization (WHO) proposes that when a country can run a below five percent positivity for 14 to 21 days, then that nation has begun to flatten the pandemic curve.

Der folgende Artikel zeigt, dass das Bild vielleicht rosiger erscheint als die Lage ist. Es timmt zwar, dass die Zahlen keniaweit deutlich zurückgegangen sind, aber das ist insbesondere auf Nairobi zurückzuführen. In immerhin 18 counties sind die Zahlen zwischen dem 18. August und dem 16. September um mindestens 50% gestiegen:
https://nation.africa/kenya/newsplex/co ... ws-2301706

Die Paten haben wir schon per Rundmail und im internen Teil des Forums informiert, deshalb hier nur ganz kurz. Wegen der gesunkenen Zahlen wird allgemein damit gerechnet, dass Präsident Kenyatta in der kommenden Woche einige Einschränkungen aufheben wird. Ganz konkret sieht es so aus, dass Schulen nicht erst im Janaur, sondern schon im Oktober öffnen sollen. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen und die Details ändern sich von Tag zu Tag. Heute berichtet die Nation über einen Vorschlag von Cabinet Secretary George Magoha:
https://nation.africa/kenya/news/educat ... ng-2305798
Danach soll es mit den Klassen 4, 7 und 8 in der primary school sowie mit Form 3 und 4 in der secondary school losgehen. Es sit aber noch völlig offen, welche Schulen wirklich öffnen dürfen. Es gibt nämlich Regeln, die vermutlich nur wenige Schulen hundertprozentig umsetzen können. Es bleibt also abzwarten, wie streng diese Regeln (insbesondere Mindestabstand in den Klassen) durchgesetzt werden.

Kenia wird übrigens als einiziges afrikanisches Land neben Südafrika am Test eines in Oxford entwickelten Impfstoffs gegen Covid-19 teilnehmen:
https://nation.africa/kenya/news/kenyan ... ls-2370340

Ganz anderes Thema: Die vor 10 Jahren in Kraft getretene kenianische Verfassung enthält eine "two-thirds gender rule", nach der zum Beispiel eigentlich mindestens ein Drittel aller Parlamentssitze von Frauen (und genauso mindestens ein Drittel von Männern) besetzt werden muss. Da das Parlament es aber in den letzten jahr nicht geschafft hat, ein Gesetz zu erlassen, mit dem diese Regel praktisch umgesetzt wird, hat der Chief Justice David Maraga dem Präsidenten gestern empfohlen, das Parlament wegen der Nichterfüllung seiner verfassungsrechtlichen Aufgaben aufzulösen. Jetzt wartet man gespannt darauf, wie Präsident Kenyatta mit dieser Empfehlung umgeht:
https://nation.africa/kenya/news/politi ... nt-2305810
Vorzeitige Neuwahlen sind vermutlich nicht unbedingt das, was das Land im Moment braucht. Deshalb gehen viele Beobachter davon aus, dass Kenyatta die Entscheidung rauszögern wird.

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Vor wenigen Minuten hat Präsident Kenyatta seine Rede an die Nation beendet. Ich habe mir die Schlussphase angehört, in der die konkreten Entscheidungen und Empfehlungen genannt wurden. Ich nehme an, dass die kenianischen Onlinezeitungen eine Zusammenfassung oder gar den gesamten Wortlaut veröffentlichen werden, aber ich fasse das aus meiner Sicht wichtigste trotzdem mal mit meinen Worten zusammen. Am wichtigsten für besucher dieses Forums ist sicher die Frage, wie es mit den Schulen weitergeht. Genau dazu ist aber noch keine Entscheidung gefallen. Kenyatta wies darauf hin, dass die Gesundheit der Schüler am wichtigsten ist. Bevor endgültige Entscheidungen zum Datum der Wiedereröffnung der Schulen gefällt werden können, muss erst Einigkeit geschaffen werden, wie der Schulbetrieb laufen kann, ohne die Gesundheit der Schüler zu gefährden. Das sieht Kenyatta als noch nicht gegeben an. Deshalb sollen die beteiligten Gruppen sich jetzt so schnell wie möglich auf konkrete Regelungen zur Wiedereröffnung der Schulen einigen. Kenyatta hat die kursierenden Daten zur Wiedereröffnung in der ersten Oktoberhälfte also nicht bestätigt, er hat aber auch nicht ausgeschlossen, dass es dazu kommt. Beim Thema Schule bleibt also erstmal noch fast alles offen.

Andere Themen:

- Die nächtliche Ausgangssperre wird für 60 Tage verlängert, aber sie gilt jetzt nur noch von 23 Uhr bis 4 Uhr, wenn ich das richtig in Erinenrung habe.
- In Bars und Restaurants darf wieder Alkohol verkauft werden, aber nur bis 22 Uhr.
- Bei Beerdigungen und Hochzeiten sind jetzt bis zu 200 Personen zulässig.
- Bei Gottesdiensten wurde die Zahl der erlaubten Teilnehmer auch erhöht.
- Kenyatta regt an (ich denke, das muss das Parlament entscheiden), dass einige steuerliche Maßnahmen (Mehrwertsteuererhöhung verschoben, Einkommensteuerfreiheit bei Einkommen bis zu 24.000 Shilling pro Monat und einige weitere Maßnahmen) über das Jahresende hinaus verlängert werden.

Wie erwartet gibt es jetzt auf der Seite der Nation eine Zusammenfassung: https://nation.africa/kenya/news/covid- ... ol-2373712
Da meine Zusammenfassung nicht allzu falsch erscheint, lasse ich sie mal unverändert stehen.

Als heute die neuen Infektionszahlen bekanntgegeben wurden, dachte ich ja, dass die als weitere Begründung für eine Lockerung der Einschränkungen dienen sollen. Heute wurden nämlich nur 53 Neuinfektionen gemeldet, aber es gab auch nur 1107 Tests. Da besteht aber vermutlich kein Zusammenhang zur Rede des Präsidenten, denn die am Montag gemeldeten Zahlen waren auch in den Vorwochen meistens niedrig. Es wurden auch neun neue Todesfälle gemeldet. Die Gesamtzahl der Infektionen liegt jetzt bei 38168, genau 700 patienten sind gestorben.
https://nation.africa/kenya/news/kenya- ... 68-2373934

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