Aus der Zeitung

Interessantes aus Kenia ohne direkten Bezug zu den Schulen. Dieser Bereich kann auch von Gästen gelesen werden!
claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Jetzt habe ich doch glatt vergessen, von einer positiven Entwicklung zu berichten. Da sowas in Zeiten der Sorgen um die Pandemie auch wichtig ist, möchte ich das hiermit nachholen:

Laut https://www.nation.co.ke/kenya/business ... on-1905756 dürfte es bei der Verfügbarkeit von Lebensmitteln in diesem Jahr keine größeren Probleme in Kenia geben. Zum einen hat sich die Heuschreckenplage nicht so negativ entwickelt wie befürchtet und zum anderen gab es passende Regenmengen, die für überdurchschnittliche Ernten sorgen. Dass es für die Menschen, die durch Corona ihren Job verloren haben, dennoch schwierig sein wird, genügend zu essen zu kaufen, ist natürlich trotzdem richtig. Es macht aber Mut, dass nicht auch noch schlechte Ernten hinzukommen.

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Im Kampf gegen die Heuschrecken in Kenia sieht es weiterhin gut aus:
https://www.nation.co.ke/kenya/news/bat ... ys-1908094
Von den ursprünglich in Kenia gesichteten 526 Schwärmen gibt es nur noch zwei in Turkana und die Chancen, dass die innerhalb der nächsten drei Woche erfolgreich bekämpft werden können, sind gut.

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

In den letzten Tagen wurden jeweils zwischen 500 und 800 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Heute waren es 723 bei immerhin 8679 durchgeführten Tests. Die Gesamtzahl der Infizierten hat damit die Marke von 20.000 überschritten und liegt aktuell bei 20.636. Die Anzahl der Todesfälle war in den letzten Tagen recht hoch, heute sind 14 Personen mit Covid-19 gestorben, gestern waren es 16. Die Gesamtzahl der Verstorbenen liegt jetzt bei 341.
https://www.nation.co.ke/kenya/news/cov ... ns-1910336

Ich versuche mal, die Zahlen in Relation zum Pandemiegeschehen weltweit zu bringen und nutze dazu die Zahlen von https://www.worldometers.info/coronavirus/ :
Als ich anfing, regelmäßig bei worldometers die Zahlen für Kenia zu prüfen, musste ich bei der Gesamtzahl der Fälle ungefähr bei Position 120 nachschauen. In der Zwischenzeit ist Kenia auf Platz 64 vorgerückt, gestern wurde Nepal überholt, am Wochenende wird Kenia vermutlich an Österreich vorbeiziehen. Zum einen liegt das daran, dass Kenia vergleichsweise spät von der Pandemie erreicht wurde und zum anderen ist Kenia ein vergleichsweise bevölkerungsreiches Land. Mit knapp 54 Millionen Einwohnern liegt Kenia bei der Bevölkerungszahl auf Platz 27 der Welt.

Betrachtet man die Zahl der Infektionen pro 1 Million Einwohner, liegt Kenia mit 383 auf Platz 145 der Welt (zum Vergleich: Deutschland hat 2506 Infizierte pro 1 Million Einwohner und liegt damit auf Platz 73). In Afrika liegt Kenia bei der Gesamtzahl der Infektionen auf Platz 7 (auch von der Einwohnerzahl ist Kenia das siebtgrößte Land afrikas), bei der Anzahl der Infektionen pro 1 Million Einwohner auf Platz 27. Nach dieser Betrachtung sind die Zahlen vielleicht noch nicht dramatisch, aber die Entwicklung der Zahlen war in den letzten Wochen doch beunruhigend. Dazu kommt die vergleichsweise geringe Zahl an durchgeführten Tests in Kenia. Mit ca. 5500 Tests pro eine Million Einwohner liegt Kenia in Afrika nur auf Platz 25 und weltweit auf Platz 164. Das Bild verschlechtert sich auch deutlich, wenn man nur auf Nairobi schaut. Von dort wurde mit 11649 Fällen mehr als die Hälfte der Fälle in ganz Kenia gemeldet. Bei ca. 4,4 Millionen Einwohnern hat Nairobi also mehr Fälle pro 1 Million Einwohner als Deutschland. Das ist sicher kein fairer Vergleich, da auch in Deutschland einige große Städte hohe infektionszahlen haben, aber der Vergleich zeigt vielleicht doch, dass die Lage in Nairobi ernst ist. Wäre Nairobi ein Staat, würde dieser Staat bei den Infektionen pro 1 Million Einwohner ungefähr auf Platz 70 in der Welt mit stark steigender Tendenz liegen.

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Es bleibt bei täglichen Neuinfektionszahlen zwischen 500 und 800. Am heutigen Freitag wurden 727 neue Fälle gemeldet. Die Gesamtzahl hat damit die 25000 überschritten und liegt jetzt bei 25138. Bislang sind 413 Patienten mit Covid-19 gest orben. Die Zahl der pro Tag ausgewerteten Testsliegt meist zwischen 6000 und 8000, so dass ungefähr 10% aller Tests positiv sind: https://www.nation.co.ke/kenya/news/cov ... ns-1914390

Im Artikel https://www.nation.co.ke/kenya/news/dai ... ay-1914366 wird allerdings bezweifelt, dass die Zahlen ein vollständiges Bild geben. In einigen Regionen Kenias gibt es wohl erhebliche Verzögerungen zwischen Probenentnahme und Vorliegen des Testergebnisses.

Auch in Kenia stellt man sich die Frage, wie hoch die Dunkelziffer, also die Anzahl der unentdeckten Infektionen ist. Schon vor ein paar Wochen waren Proben von Blutspenden in Kenia auf Covid-19 untersucht worden und damals wurde hochgerechnet, dass 2,7 Millionen Kenianer infiziert sein könnten. In der Zwischenzeit hat man die Analysen verfeinert und Faktoren wie Alter, Geschlecht und Region einbezogen. Danach ist das Ergebnis, dass ca. 1,6 Millionen Kenianer zwischen 15 und 64 Jahren infiziert sein könnten. Zu anderen Altersgruppen kann die Studie keine Aussage machen, da Kinder und ältere Personen kein Blut spenden dürfen:
https://www.nation.co.ke/kenya/news/kem ... 19-1913836
Kenia hat ca. 54 Millionen Einwohner. Laut https://www.indexmundi.com/de/kenia/altersstr... sind knapp 60% in der Altersgruppe 15 bis 64. Danach wären also ca 5% der Bevölkerung in dieser Altersgruppe infiziert. Das sind deutlich mehr als nach offiziellen Zahlen, aber auch viel zu wenige, um auf eine baldige Herdenimmunität hoffen zu können.

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Die Zahlen haben sich auf hohem Niveau stabilisiert. Heute gab es 650 Neuinfektionen bei 6768 Tests. Die Gesamtzahl ist damit auf 28754 gestiegen und wird am Wochenende höchstwahrscheinlich die 30,000 übersteigen. An oder mit Covid-19 gestorben sind in Kenia bislang 460 Personen.

In den Pressekonferenzen wird zurzeit häufig darauf hingewiesen, dass die Zahl der Genesungen in letzter Zeit deutlich angestigen ist. So sind vor einigen Tagen erstmals mehr als 1000 Personen genesen. Heute waren es 490 und im Schnitt halten sich Neuinfektionen und Genesungsfälle in etwas die Waage. Das klingt für das Gesudheitssystem erstmal gut, aber es wäre meiner Ansicht nach auch wichtig, etwas mehr über die schweren Fälle zu erfahren. Dazu habe ich aber keine Zahlen gelesen.

https://www.nation.co.ke/kenya/news/ken ... es-1918006

Die Regierung hat sich auch etwas ausgedacht, um die Schüler (wohl insbesondere die unteren Klassen der primary school) bis zur Wiedereröffnung der Schulen etwas zu beschäftigen. Die Idee ist, dass Lehrer von staatlichen Schulen sich wohnortnah um Kinder aus ihrem Wohngebiet kümmern sollen. Dazu sollen Kleingruppen gebildet werden, denen sich Schüler aus allen, also nicht nur staatlichen Schulen anschließen können. Dieser "Unterricht" soll nicht in Schulen, sondern zum Beispiel draußen stattfinden. Wie man im Bericht https://www.nation.co.ke/kenya/news/edu ... an-1917818 nachlesen kann, gibt es aber noch viele offene Fragen und es scheint keiner zu wissen, wie das alles funktionieren soll. Gerade in Gegenden wie Soweto, wo der größte Teil der Schüler in private Schulen geht, weil das Angebot der staatlichen Schulen nicht ausreicht, können die Lehrer aus den staatlichen Schulen das kaum abdecken. Lehrer aus privaten Schulen würden sicherlich gerne helfen, wenn sie dafür bezahlt würden, aber davon ist bislang nicht die Rede. Angeblich soll das Programm am 12. September beginnen, aber Skepsis ist sicher nicht völlig unangemessen.

ankkay
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von ankkay »

Im ZDF heute journal gab es heute auch einen Beitrag zur Situation der Kinder in Kenia. Es wurde auch kurz erwähnt, dass es Kleingruppenunterricht geben soll.

Viele Grüße
Antje

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

In den letzten drei Tagen lag die Anzahl der gemeldeten Neuinfektionen jeweils unter 300. Ob das als Anzeichen für eine Trendwende zu interpretieren ist, ist schwer zu sagen, denn es wurde auch vergleichsweise wenig getestet. Die gesamtzahl der Infizierten ist jedenfalls auf 30.636 gestiegen, 487 Personen sind in Kenia an oder mit Covid-19 gestorben:
https://www.nation.co.ke/kenya/news/ken ... 68-1920746

im recht langen Artikel https://www.nation.co.ke/kenya/healthy- ... at-1920662 wird beschrieben, wie die nicht sachgemäße Entsorgung von Masken, insbesondere von Einwegmasken, die Umwelt erheblich belasten kann.

Ein ganz anderes Thema: Seit einigen Wochen wird im kenianischen Parlament intensiv über eine Reform der Verteilung von Mitteln auf die Counties des Landes gestritten. Die Abstimmungslinien entsprechenen bei dieser Frage nicht unbedingt den nach dem Handshake und der weitgehenden Entmachtung der Rutoanhänger ohnehin komplizierten Parteilinien, sondern eher nach der Herkunft der Politiker. Jedenfalls wurde die Entscheidung immer wieder vertagt. Gestern hätte es im Sebnat eine neue Abstimmung geben sollen, aber dann ist etwas passiert, was gewisse Zweifel an der Stabiltät der Demokratie in Kenia aufkommen lässt: Es wurden nämlich drei Senatoren unter doch recht fadenscheinig erscheinenden Vorwänden von der Polizei festgehalten und an der Teilnahme an der Senatssitzung gehindert. Alle drei hätten sich bei einer Abstimmung gegen den Vorschlag der Regierung ausgesprochen. Natürlich bestreitet die Regierung, dass es da irgendeinen Zusammenhang gibt, aber der Verdacht ist mehr als naheliegend. Geholfen hat es der Regierung aber nicht, denn die Abstimmung hat nicht stattgefunden:
https://www.nation.co.ke/kenya/counties ... st-1920470

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Die Neuinfektionszahlen in Kenia lagen in den letzten tagen meistens zwischen 300 und 400 und damit niedriger als vor ein bis zwei Wochen. Es ist aber weiterhin schwer zu beurteilen, ob das ein zeichen für eine Trendwende ist. Die Zahl der Tests liegt mit ca 5000 pro Tag nämlich auch niedriger als vor einigen Wochen. Positiv zu bewerten ist aber, dass der Anteil der positiven Tests wieder deutlich unter 10% liegt. Das offiziell herausgegebene Ziel, die Positivrate unter 5% zu drücken wurde aber noch nicht erreicht.Die Zahl der Todefälle pro Tag liegt deutlich über den Werten von vor einem Monat, aber das ist nicht allzu erstaunlich, da die Todesfälle der Zahl der Infektionen immer einige Wochen hinterherläuft.
https://www.nation.co.ke/kenya/news/cov ... ve-1923566

Es gibt aber auch einige Meldungen, die Anlass zur Sorge geben. So scheint es zwischendurch immer mal wieder Engpässe bei den für die Tests benötigten Chemikalien zu geben.

Möglicherweise gibt es auch einen größeren Korruptionsskandal bei KEMSA, der "Kenya Medical Supplies Agency". Es gibt Anzeichen dafür, dass diese staatliche Organisation in großem Umfang Gelder, die für die bekämpfung von Covid-19 vorgesehen waren, zweckentfremdet hat.
https://www.nation.co.ke/kenya/news/kem ... be-1918402

Etwas beunruhigend sind auch einige Streiks im Gesundheitswesen. Über Einzelheiten und Gründe kann man hier nachlesen:
https://www.nation.co.ke/kenya/news/dil ... es-1923480
Es geht dabei nicht so sehr um die Bezahlung (auch wenn es an einigen Krankenhäusern auch zu erheblichen Verzögerungen bei zugesagten Lohnzahlungen gab), sondern um einen ausreichenden Schutz der Mitarbeiter. Bislang haben sich in Kenia mehr als 800 Mitarbeiter im Gesundheitswesen mit Covid-19 infiziert, 16 von ihnen sind gestorben.

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Es bleibt dabei: Die Zahl der Neuinfektionen in Kenia war in den letzten Tagen durchgehend niedriger als noch vor ca. zwei Wochen. Gestern wurden sogar weniger als 200 Neuinfektionen gemeldet, heute waren es 246. Die Gesamtzahl der Infektionen ist damit auf 32.803 gestiegen, 559 Patienten sind gestorben. Es ist weiterhin deutlich zu früh für eine Entwarnung, aber etwas Hoffnung machen die Zahlen doch.
https://www.nation.co.ke/kenya/news/cov ... s--1925696

In Kenia gibt es wohl einigen Druck auf das Bildungsministerium, das dazu bewegt werden soll, die Schulen vielleicht doch früher als geplant zu öffnen. Mir kommt eine vorzeitige Wiedereröffnung der Schulen unwahrscheinlich vor, zumal bislang noch kein Konzept für dann einzuhaltende Bedingungen vorliegt.
https://www.nation.co.ke/kenya/news/edu ... ys-1925728

Der Vater eines Schulkindes in Nairobi hat Klage gegen die Schulschließungen eingereicht. Dabei geht es nicht nur um die Verhältnismäßigkeit der Schulschließungen an sich, sondern auch um formale Fragen (aus https://www.nation.co.ke/kenya/news/cov ... ls-1925610 ):
Mr Aura wants the court to determine whether the President can order the closure of learning institutions via a state of the nation address, without publishing the directive in the Kenya Gazette or tabling it before the National Assembly for debate and approval.
Der Kläger verlangt, dass die Schulen zum 1.9. öffnen. Auch das scheint mir unwahrscheinlich, aber kenianische Gerichte sind durchaus für Überraschungen gut, wie wir bei den letzten Wahlen gelernt haben.

claus
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Re: Aus der Zeitung

Beitrag von claus »

Präsident Kenyatta hat sich heute mal wieder an die Nation gewandt. Die komplette Rede kann man hier nachlsen: https://www.nation.co.ke/kenya/news/cov ... ll-1926324
Ich habe es nur überflogen und dabei keine Neuigkeiten zum Thema Schulen gefunden. Einige Entscheidungen:

- Bars und Nachtclubs bleiben weiterhin für mindestens 30 weitere Tage geschlossen.
- Restaurants müssen jetzt erst um 8 Uhr abends schließen und nicht mehr um 7.
- Bei Beerdigungen und Hochzeiten sind bis zu 100 Personen erlaubt (bislang waren es 15, wenn ich mich richtig erinnere)
- Die nächtliche Ausgangssperre von 21 Uhr bis 4 Uhr bleibt bestehen.

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